Faktengeprüft & evidenzbasiert Tierärztlich geprüft

Dürfen Hunde Sultaninen fressen?

Aktualisiert Jun 2026
Streng giftig

Sultaninen sofort aus Hundereichweite entfernen!

Sultaninen gehören – gemeinsam mit Rosinen und frischen Weintrauben – zu den gefährlichsten Nahrungsmitteln für Hunde überhaupt. Das nephrotoxische Prinzip ist bis heute nicht vollständig identifiziert, was die Gefahr noch erhöht: Da keine sichere Mengenschwelle bekannt ist, muss jede aufgenommene Sultanine als potenziell lebensbedrohlich eingestuft werden. Besonders tückisch ist, dass manche Hunde nach kleinen Mengen kaum reagieren, während andere bereits nach wenigen Früchten in ein akutes Nierenversagen geraten – individuelle Empfindlichkeit variiert erheblich und ist im Voraus nicht vorhersehbar. Im Zweifelsfall gilt: Sofort zum Tierarzt, nicht abwarten.

Schweregrad
Hoch
Toxische Dosis
Keine sichere Dosis bekannt; bereits ab ca. 0,3 g/kg KG (Fallberichte); 1–2 Sultaninen/kg KG können ein akutes Nierenversagen auslösen.
Einsetzzeit
Erbrechen typischerweise innerhalb von 6 Stunden; Zeichen eines Nierenschadens (Oligurie, Azotämie) innerhalb von 24–72 Stunden.
Behandlung
Sofortige tierärztliche Behandlung: Emesis-Induktion (wenn <2 h nach Aufnahme), Aktivkohle, aggressive Infusionstherapie über 48–72 h, engmaschige Nierenwertkontrollen.
Zeitkritische Reaktion

Sofortiges Handeln erforderlich

Wenn Ihr hund Sultaninen gefressen hat, warten Sie nicht auf Symptome. Sofortiges tierärztliches Eingreifen kann schweren Schaden verhindern.

Warum sind Sultaninen für Hunde so gefährlich?

Trotz intensiver Forschung ist der genaue toxische Wirkstoff in Sultaninen, Rosinen und Weintrauben noch nicht endgültig identifiziert. Diskutiert werden Mykotoxine, Salizylate, Tannine sowie möglicherweise ein noch unbekanntes Glykosid. Was jedoch klinisch eindeutig belegt ist: Die Niere des Hundes reagiert auf diese Früchte mit einer ischämischen Tubulusnekrose – die proximalen Nierentubuli werden geschädigt, die Filterfunktion bricht zusammen. Hunde scheiden kaum noch Harn aus (Oligurie bis Anurie), Harnstoff und Kreatinin steigen im Blut rasant an. Ohne Behandlung führt dies innerhalb weniger Tage zum Tode durch urämisches Koma.

Besonders heimtückisch ist die fehlende Dosis-Wirkungs-Beziehung: In der veterinärmedizinischen Literatur sind Fälle dokumentiert, in denen Hunde nach weniger als 0,3 g Sultaninen pro Kilogramm Körpergewicht ein dialysepflichtiges Nierenversagen entwickelten – das entspricht bei einem 10-kg-Hund gerade einmal drei Gramm Sultaninen oder etwa fünf bis sechs Früchten. Gleichzeitig gibt es Berichte, bei denen größere Mengen ohne offensichtliche Nierenschäden vertragen wurden. Diese Unberechenbarkeit macht es unmöglich, eine 'harmlose' Portion zu definieren. Sultaninen in Backwaren, Müsli, Weihnachtsgebäck oder als Snack gelten daher ausnahmslos als Risiko.

⚠️ Keine sichere Menge – null Toleranz

Eine einzige Sultanine kann genügen, um bei empfindlichen Hunden ein akutes Nierenversagen einzuleiten. Warten Sie nicht auf Symptome – suchen Sie bei jedem Verdacht sofort tierärztliche Hilfe auf.

Symptome & Verlauf

Frühe Symptome (0–6 Stunden nach Aufnahme)
  • Erbrechen (oft wiederholt, häufig enthält es noch Sultaninen-Reste)
  • Durchfall, teils blutig
  • Lethargie und plötzliche Teilnahmslosigkeit
  • Bauchschmerzen (Hund zeigt Schutzhal­tung, Wölben des Rückens)
  • Vermehrter Speichelfluss
Alle Lebensmittel ansehen, die diese Symptome verursachen
Zeichen des Nierenversagens (24–72 Stunden)
  • Oligurie oder Anurie (stark verminderter oder kein Harnabsatz)
  • Deutlich erhöhter Durst und vermehrtes Trinken (initial, vor Anurie)
  • Azotämie: Mundgeruch nach Ammoniak (urämischer Foetor)
  • Zittern, Muskelzucken, neurologische Auffälligkeiten
  • Schwäche bis Bewusstlosigkeit (urämisches Koma)
Alle Lebensmittel ansehen, die diese Symptome verursachen
Laborveränderungen (tierärztliche Diagnostik)
  • Stark erhöhtes Serum-Kreatinin und Harnstoff (BUN)
  • Hyperphosphatämie, Hyper- oder Hypokalzämie
  • Erhöhte Leberwerte möglich (ALT, ALP)
  • Isosthenurie im Urinstatus (Konzentrationsverlust der Niere)
Alle Lebensmittel ansehen, die diese Symptome verursachen

Dosis & Schweregrad

Da keine sichere Dosis für Sultaninen beim Hund existiert, dient diese Tabelle ausschließlich der Einschätzung des Vergiftungsrisikos in Abhängigkeit von der aufgenommenen Menge – nicht als Richtwert für erlaubte Portionen.

Jede Menge
auch 1 Sultanine
Toxisch – keine sichere Grenze
Sofort tierärztlich vorstellen, auch ohne Symptome
< 0,3 g/kg KG
z. B. 3 g bei 10 kg Hund
Hohes Risiko – Fallberichte mit ANV
Emesis-Induktion und Überwachung dringend erforderlich
0,3–1 g/kg KG
z. B. 5–10 g bei 10 kg Hund
Sehr hohes Risiko – stationäre Behandlung
IV-Infusion und engmaschige Nierenkontrolle notwendig
> 1 g/kg KG
z. B. > 10 g bei 10 kg Hund
Lebensbedrohlich – Notfall
Intensivmedizinische Versorgung, Prognose ernst

Was tun, wenn Ihr Hund Sultaninen gefressen hat?

  1. 1

    Ruhe bewahren, aber sofort handeln: Notieren Sie so präzise wie möglich, wieviel Ihr Hund gefressen hat und wann. Diese Information ist für den Tierarzt entscheidend für die Therapieplanung.

  2. 2

    Tierarzt oder Tiergiftzentrale anrufen: Rufen Sie umgehend Ihre Tierarztpraxis an oder wenden Sie sich an das Tierärztliche Toxikologie-Informationszentrum (z. B. BfR-Vergiftungshotline oder Tiergiftzentrum der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover). Warten Sie nicht auf Symptome – das Zeitfenster für eine effektive Emesis-Induktion beträgt nur ca. 1–2 Stunden.

  3. 3

    Kein Erbrechen selbst auslösen ohne ärztliche Anweisung: Versuchen Sie nicht, Ihren Hund mit Hausmitteln zum Erbrechen zu bringen. Wasserstoffperoxid und Salz können gefährlich sein. Emesis sollte nur unter tierärztlicher Aufsicht oder nach expliziter telefonischer Anweisung durchgeführt werden.

  4. 4

    Stationäre Überwachung einplanen: Bei bekannter oder vermuteter Aufnahme von Sultaninen empfehlen Fachtierärzte in der Regel eine stationäre Infusionsbehandlung über mindestens 48 Stunden sowie Blutkontrollen (Kreatinin, Harnstoff, Elektrolyte) nach 24 und 48 Stunden.

  5. 5

    Prognose hängt vom Zeitfaktor ab: Hunde, die innerhalb von 2 Stunden nach Aufnahme behandelt werden, haben eine deutlich bessere Prognose als jene, bei denen erst nach Einsetzen der Niereninsuffizienz interveniert wird. Jede Stunde zählt.

Sichere Alternativen

Wenn Sie Ihrem Hund etwas Fruchtiges und Gesundes anbieten möchten, gibt es viele verträgliche Alternativen zu Sultaninen:

Heidelbeeren

Reich an Antioxidantien, gut verträglich in kleinen Mengen; eignen sich ideal als gelegentlicher Snack.

Wassermelone (kernlos)

Hoher Wassergehalt, kalorienarm, erfrischend an heißen Tagen – Kerne und Schale zuvor entfernen.

Apfelscheiben (ohne Kerngehäuse)

Ballaststoffreich und zahnpflegend; Kerne und Stiel sind zu entfernen, da sie Amygdalin enthalten.

Erdbeeren

Süß, vitamin­reich und für die meisten Hunde gut verträglich – in Maßen als Belohnung geeignet.

Banane

Kalorienreicher, daher nur in kleinen Stücken; liefert Kalium und Magnesium und wird von Hunden meist sehr gerne gefressen.

Häufig gestellte Fragen

Mein Hund hat nur eine einzige Sultanine gefressen – muss ich wirklich zum Tierarzt?
Ja, in jedem Fall. Da keine sichere Mindestdosis bekannt ist und einzelne Hunde bereits auf kleinste Mengen mit akutem Nierenversagen reagiert haben, sollten Sie auch bei einer einzigen Sultanine tierärztlichen Rat einholen. Der Tierarzt wird anhand des Körpergewichts Ihres Hundes und des Zeitpunkts der Aufnahme entscheiden, ob eine Emesis-Induktion sinnvoll ist. Lieber einen unnötigen Anruf mehr als einen lebensbedrohlichen Nierenschaden riskieren.
Mein Hund hat Sultaninen in einem Kuchen oder Müsli gefressen – ist das genauso gefährlich?
Ja. Sultaninen bleiben auch in verarbeiteten Lebensmitteln wie Rosinenbrötchen, Weihnachtsstollen, Müsli oder Früchtekuchen nephrotoxisch. Backen oder Erhitzen macht sie nicht unschädlicher. Schätzen Sie die Menge der enthaltenen Sultaninen so gut wie möglich ab und nennen Sie dem Tierarzt sowohl Gesamtgewicht des Produkts als auch die ungefähre Zutatenliste.
Welche Hunde sind besonders gefährdet?
Grundsätzlich ist jeder Hund gefährdet – unabhängig von Rasse, Alter oder Größe. Allerdings sind kleine Hunde schon bei geringen Absolutmengen stärker betroffen, weil dieselbe Menge Sultaninen bei ihnen eine höhere mg/kg-Dosis bedeutet. Ältere Tiere oder Hunde mit Vorerkrankungen der Niere oder Leber können schneller dekompensieren. Da die individuelle Empfindlichkeit jedoch unvorhersehbar ist, gilt für alle Hunde: null Toleranz.
Wie lange dauert die Behandlung und was kann ich erwarten?
Die Standardbehandlung umfasst eine intravenöse Flüssigkeitstherapie über mindestens 48 bis 72 Stunden sowie regelmäßige Blutkontrollen auf Harnstoff, Kreatinin, Phosphat und Elektrolyte. Beginnt die Behandlung früh (vor Einsetzen klinischer Nierenzeichen), ist die Prognose oft gut. Hat bereits eine manifeste Oligurie oder Anurie eingesetzt, ist die Prognose deutlich schlechter; in schweren Fällen kann eine Dialyse nötig sein, die jedoch nur an spezialisierten Tierkliniken verfügbar ist.
Sind Sultaninen genauso gefährlich wie Rosinen und Weintrauben?
Ja. Sultaninen sind getrocknete kernlose Weintrauben – pharmakologisch und toxikologisch sind Sultaninen, Rosinen und frische Weintrauben für den Hund gleichermaßen gefährlich. Da beim Trocknen Wasser entzogen wird, ist die Konzentration des toxischen Prinzips in Sultaninen und Rosinen pro Gramm sogar höher als in frischen Trauben. Alle drei Produkte sind für Hunde strikt verboten.

Quellen & Referenzen

  1. ASPCA Animal Poison Control Center — Grapes, Raisins & Sultanas: Toxicosis in Dogs (clinical case database)
  2. Merck Veterinary Manual — Grape and Raisin Toxicity in Animals
  3. Wegenast CA, et al. 'Acute kidney injury in dogs following ingestion of cream of tartar and tamarinds and the connection to tartaric acid as the proposed toxic principle in grapes and raisins.' Journal of Veterinary Emergency and Critical Care, 2022
  4. Pet Poison Helpline — Raisins and Grapes: Toxicity Profile for Canines
Dra. Carmen Ortega

Über die Autorin: Dra. Carmen Ortega

Veterinär-Ernährungsspezialistin

Diplomierte Veterinärernährungsexpertin mit Fokus auf artgerechte Diäten und präventive Fütterung, Hauptautorin unserer Ernährungsempfehlungen.

Vollständiges Profil ansehen
War dieser Artikel hilfreich?
Teilen