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Dürfen Pferde Spinat fressen?

Aktualisiert Jun 2026
Mit Vorsicht füttern

Mit Vorsicht und nur selten füttern

Spinat enthält pro 100 g Frischgewicht ca. 600–800 mg Oxalat, das im Verdauungstrakt Kalzium bindet und dessen Resorption hemmt. Bei einem gelegentlichen Handvoll als Leckerli ist dies für ein gesundes, ausgewachsenes Pferd kein Problem. Werden jedoch täglich größere Mengen – im Bereich von einem Kilogramm oder mehr – über längere Zeit verfüttert, kann der Kalziumspiegel im Blut absinken und sich eine nutritive Sekundärhyperparathyreoidismus (Engrais-Krankheit/Bighead) entwickeln, wie sie von australischen Studien zur Oxalatgras-Problematik bekannt ist. Für Fohlen, hochtragende Stuten und Pferde mit vorbestehenden Nierenerkrankungen gilt erhöhte Vorsicht.

Schweregrad
Niedrig
Toxische Dosis
>1–2 kg oxalatreich täglich, chronisch
Einsetzzeit
GI: 1–4 h; chronisch: Wochen–Monate
Behandlung
Fütterung stoppen, Tierarzt kontaktieren
Verantwortungsvoll füttern

Maß halten ist entscheidend

Spinat sollte pferde nur in kleinen, seltenen Mengen angeboten werden. Befolgen Sie die Hinweise zur sicheren Fütterung und beobachten Sie genau auf etwaige Reaktionen.

Warum ist Spinat für Pferde nicht ganz unbedenklich?

Spinat

Spinat — pferde.

Der entscheidende Wirkstoff ist Oxalsäure (Oxalat), die in Spinat in besonders hoher Konzentration vorliegt – höher als in den meisten anderen Gemüsesorten. Im Verdauungstrakt des Pferdes verbindet sich Oxalat mit Kalzium zu unlöslichem Kalziumoxalat, das nicht resorbiert werden kann. Bei sporadischer Fütterung kleiner Mengen fängt ein gesunder Mineralstoffhaushalt diesen Effekt problemlos auf. Wird Spinat jedoch über Wochen täglich in nennenswerter Menge gefüttert, kann die kumulative Kalziumbindung die Homöostase stören: Die Nebenschilddrüsen schütten vermehrt Parathormon aus, was langfristig zur Demineralisierung der Knochen führt – ein Bild, das Tierärzte aus der Oxalatgras-Problematik in subtropischen Regionen gut kennen.

Daneben enthält frischer Spinat, besonders nach Stickstoffreicher Düngung, relevante Nitratmengen. Im Pansen von Rindern wird Nitrat rasch zu toxischem Nitrit reduziert; Pferde haben keinen Pansen, doch auch im Dickdarm findet mikrobielle Nitratreduktion statt. Bei großen Mengen und prädisponierten Tieren kann dies zu Methämoglobinbildung führen, die die Sauerstofftransportkapazität des Blutes herabsetzt. Zudem kann der hohe Wassergehalt und die weiche Konsistenz von welkem Spinat bei empfindlichen Pferden Darmträgheit oder leichte Koliksymptome auslösen. Das Gesamtrisiko bleibt bei vernünftiger Handhabung niedrig, ist aber nicht null.

Besondere Risikogruppen beachten

Fohlen im Wachstum, hochtragende und laktierende Stuten sowie Pferde mit chronischen Nierenerkrankungen reagieren empfindlicher auf oxalatbedingte Kalziumstörungen und sollten keinen Spinat erhalten.

Symptome & Verlauf

Akute Magen-Darm-Zeichen (große Einzelmengen)
  • Weicher oder breiiger Kotabsatz
  • Vermehrte Darmgeräusche
  • Leichte Koliksymptome (Scharren, Umschauen zum Bauch)
  • Vorübergehende Appetitlosigkeit
Alle Lebensmittel ansehen, die diese Symptome verursachen
Chronische Oxalatstörung (wochenlange Überversorgung)
  • Steifigkeit und Lahmheit (Knochendemineralisierung)
  • Geschwollene Gesichtsknochen (nutritiver Hyperparathyreoidismus)
  • Muskelschwäche und reduzierte Leistungsbereitschaft
  • Pathologische Frakturen in Extremfällen
Alle Lebensmittel ansehen, die diese Symptome verursachen
Nitrat-/Methämoglobin-Zeichen (selten, nur bei Massenfütterung)
  • Bläulich-graue Schleimhäute
  • Beschleunigte, flache Atmung
  • Schwäche und Taumeln
  • Herzrhythmusstörungen
Alle Lebensmittel ansehen, die diese Symptome verursachen

Dosis & Schweregrad

Die folgende Tabelle gibt eine Orientierung, ab welchen Mengen Spinat für ein durchschnittliches Warmblut (ca. 500 kg Körpergewicht) problematisch werden kann.

Gelegentliches Leckerli
1–2 Handvoll frisch (ca. 50–100 g)
Unbedenklich
Kein messbarer Effekt auf Kalziumhaushalt; Ausnahme: Pferde mit Nierenerkrankung
Regelmäßige kleine Portion
200–400 g täglich über mehrere Wochen
Grenzwertig
Bei vorerkrankten oder wachsenden Tieren beginnt die Risikozone; Mineralstoffkontrolle empfohlen
Größere tägliche Mengen
0,5–1 kg täglich, dauerhaft
Erhöhtes Risiko
Kumulative Oxalatbelastung kann Kalziumhaushalt nachweislich stören; nicht empfohlen
Hohe chronische Zufuhr
>1–2 kg täglich über Wochen
Kritisch
Nutritiver Sekundärhyperparathyreoidismus und Knochenveränderungen möglich; Tierarzt einschalten

Was tun, wenn ein Pferd zu viel Spinat gefressen hat?

  1. 1

    Fütterung sofort einstellen Entfernen Sie Spinat und alle oxalatreichen Pflanzen (z. B. Sauerampfer, Rhabarberblätter) vollständig aus der Reichweite des Pferdes.

  2. 2

    Akute GI-Zeichen beobachten Treten innerhalb von 1–4 Stunden nach dem Fressen Koliksymptome, weicher Durchfallkot oder Unruhe auf, kontaktieren Sie umgehend Ihren Tierarzt.

  3. 3

    Bei Verdacht auf chronische Überdosierung: Blutbild anfordern Ihr Tierarzt kann Serumkalzium, Phosphor und Parathormon (PTH) messen sowie ein Röntgenbild der Knochen anfertigen, um eine beginnende Demineralisierung auszuschließen.

  4. 4

    Mineralstoffversorgung überprüfen Stellen Sie sicher, dass Ihr Pferd stets ausreichend Heu und ein kalziumreiches Mineralfutter erhält; gutes Heu (< 0,5 % Oxalat) puffert moderate Oxalatmengen wirkungsvoll ab.

  5. 5

    Notfall: Methämoglobinämie Zeigen sich bläuliche Schleimhäute, Atemnot oder plötzliche Schwäche nach Massenfütterung, handelt es sich um einen tierärztlichen Notfall – sofort anrufen.

Sichere Alternativen

Wer seinem Pferd ab und zu frisches Gemüse oder Grünzeug gönnen möchte, greift besser zu oxalatarmen Alternativen:

Karotten

Klassisches Pferdeleckerli mit natürlichem Zucker, beta-Karotin und vernachlässigbarem Oxalatgehalt – in Maßen völlig unbedenklich

Feldsalat (Rapunzel)

Deutlich oxalatärmer als Spinat, enthält nützliche Mikronährstoffe und wird von den meisten Pferden gerne gefressen

Gurke

Sehr hoher Wasseranteil, kaum Oxalat, kalorienarm – ideal als erfrischendes Sommer-Leckerli in kleinen Stücken

Äpfel (entkernt)

Hohe Akzeptanz, moderate natürliche Zucker; Kerne entfernen wegen Blausäureglykoside, ansonsten ein bewährter Snack

Zucchini

Niedriger Oxalatgehalt, gut verträglich, liefert etwas Kalium und Vitamin C ohne Kalziumstoffwechsel zu belasten

Häufig gestellte Fragen

Mein Pferd hat einmalig eine große Menge Spinat gefressen – muss ich jetzt zum Tierarzt?
Eine einmalige Aufnahme von bis zu etwa 500 g ist bei einem gesunden ausgewachsenen Pferd in der Regel kein Notfall. Beobachten Sie das Tier für 4–6 Stunden auf Koliksymptome (Scharren, Wälzen, fehlender Kotabsatz) oder veränderte Atemfrequenz. Treten solche Zeichen auf, kontaktieren Sie Ihren Tierarzt. Bei nierenkranken Pferden oder Fohlen empfiehlt sich eine kurze Rücksprache auch ohne akute Symptome.
Warum ist Spinat für Pferde grundsätzlich problematischer als für Menschen?
Menschen nehmen Spinat in kleinen Portionen zu sich und decken ihren Kalziumbedarf über viele diverse Quellen. Pferde fressen hingegen große tägliche Futtermengen, und ihr Kalziumbedarf ist absolut betrachtet sehr hoch – ein 500-kg-Pferd benötigt ca. 20–30 g Kalzium pro Tag. Oxalat aus regelmäßig größeren Spinatmengen kann einen relevanten Anteil dieses Kalziums im Darm binden, sodass es schlicht nicht resorbiert wird. Für Menschen wäre dazu eine unrealistische Spinatmenge nötig; für Pferde, die keinen anderen Ausgleich bekommen, kann die Schwelle schneller erreicht sein.
Kann ich Spinat als Teil eines selbst gemischten Ergänzungsfutters verwenden?
Davon ist abzuraten. Spinat sollte beim Pferd allenfalls als gelegentliches Leckerli in kleinen Mengen gereicht werden, nicht als fester Bestandteil eines Futterrezepts. Wer frisches Grünzeug als Ergänzung nutzen möchte, greift besser zu oxalatarmen Gemüsesorten wie Feldsalat, Gurke oder Karotten. Lassen Sie selbst gemischte Futterrationen grundsätzlich von einem Fütterungsberater oder Tierarzt prüfen, damit der Kalzium-Phosphor-Quotient (Idealwert 1,5–2 : 1) gewahrt bleibt.

Quellen & Referenzen

  1. Merck Veterinary Manual: Oxalate Poisoning in Horses, Nutritional Secondary Hyperparathyroidism (Enzootic Calcinosis), Merck & Co., current online edition
  2. ASPCA Animal Poison Control Center: Toxic and Non-Toxic Plant/Food Database — Oxalate-Containing Plants (aspca.org/pet-care/animal-poison-control)
  3. McKenzie, R.A. (1981). 'Bovine enzootic haematuria and oxalate nephropathy in cattle and horses.' Australian Veterinary Journal, 57(10), 473–478
  4. National Research Council (NRC). Nutrient Requirements of Horses, 6th revised edition. National Academies Press, Washington DC, 2007
Dra. Carmen Ortega

Über die Autorin: Dra. Carmen Ortega

Veterinär-Ernährungsspezialistin

Diplomierte Veterinärernährungsexpertin mit Fokus auf artgerechte Diäten und präventive Fütterung, Hauptautorin unserer Ernährungsempfehlungen.

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