Dürfen Pferde Spinat fressen?
Mit Vorsicht und nur selten füttern
Spinat enthält pro 100 g Frischgewicht ca. 600–800 mg Oxalat, das im Verdauungstrakt Kalzium bindet und dessen Resorption hemmt. Bei einem gelegentlichen Handvoll als Leckerli ist dies für ein gesundes, ausgewachsenes Pferd kein Problem. Werden jedoch täglich größere Mengen – im Bereich von einem Kilogramm oder mehr – über längere Zeit verfüttert, kann der Kalziumspiegel im Blut absinken und sich eine nutritive Sekundärhyperparathyreoidismus (Engrais-Krankheit/Bighead) entwickeln, wie sie von australischen Studien zur Oxalatgras-Problematik bekannt ist. Für Fohlen, hochtragende Stuten und Pferde mit vorbestehenden Nierenerkrankungen gilt erhöhte Vorsicht.
Maß halten ist entscheidend
Spinat sollte pferde nur in kleinen, seltenen Mengen angeboten werden. Befolgen Sie die Hinweise zur sicheren Fütterung und beobachten Sie genau auf etwaige Reaktionen.
Warum ist Spinat für Pferde nicht ganz unbedenklich?
Spinat — pferde.
Der entscheidende Wirkstoff ist Oxalsäure (Oxalat), die in Spinat in besonders hoher Konzentration vorliegt – höher als in den meisten anderen Gemüsesorten. Im Verdauungstrakt des Pferdes verbindet sich Oxalat mit Kalzium zu unlöslichem Kalziumoxalat, das nicht resorbiert werden kann. Bei sporadischer Fütterung kleiner Mengen fängt ein gesunder Mineralstoffhaushalt diesen Effekt problemlos auf. Wird Spinat jedoch über Wochen täglich in nennenswerter Menge gefüttert, kann die kumulative Kalziumbindung die Homöostase stören: Die Nebenschilddrüsen schütten vermehrt Parathormon aus, was langfristig zur Demineralisierung der Knochen führt – ein Bild, das Tierärzte aus der Oxalatgras-Problematik in subtropischen Regionen gut kennen.
Daneben enthält frischer Spinat, besonders nach Stickstoffreicher Düngung, relevante Nitratmengen. Im Pansen von Rindern wird Nitrat rasch zu toxischem Nitrit reduziert; Pferde haben keinen Pansen, doch auch im Dickdarm findet mikrobielle Nitratreduktion statt. Bei großen Mengen und prädisponierten Tieren kann dies zu Methämoglobinbildung führen, die die Sauerstofftransportkapazität des Blutes herabsetzt. Zudem kann der hohe Wassergehalt und die weiche Konsistenz von welkem Spinat bei empfindlichen Pferden Darmträgheit oder leichte Koliksymptome auslösen. Das Gesamtrisiko bleibt bei vernünftiger Handhabung niedrig, ist aber nicht null.
Fohlen im Wachstum, hochtragende und laktierende Stuten sowie Pferde mit chronischen Nierenerkrankungen reagieren empfindlicher auf oxalatbedingte Kalziumstörungen und sollten keinen Spinat erhalten.
Symptome & Verlauf
- Weicher oder breiiger Kotabsatz
- Vermehrte Darmgeräusche
- Leichte Koliksymptome (Scharren, Umschauen zum Bauch)
- Vorübergehende Appetitlosigkeit
- Steifigkeit und Lahmheit (Knochendemineralisierung)
- Geschwollene Gesichtsknochen (nutritiver Hyperparathyreoidismus)
- Muskelschwäche und reduzierte Leistungsbereitschaft
- Pathologische Frakturen in Extremfällen
- Bläulich-graue Schleimhäute
- Beschleunigte, flache Atmung
- Schwäche und Taumeln
- Herzrhythmusstörungen
Dosis & Schweregrad
Die folgende Tabelle gibt eine Orientierung, ab welchen Mengen Spinat für ein durchschnittliches Warmblut (ca. 500 kg Körpergewicht) problematisch werden kann.
Was tun, wenn ein Pferd zu viel Spinat gefressen hat?
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1
Fütterung sofort einstellen Entfernen Sie Spinat und alle oxalatreichen Pflanzen (z. B. Sauerampfer, Rhabarberblätter) vollständig aus der Reichweite des Pferdes.
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2
Akute GI-Zeichen beobachten Treten innerhalb von 1–4 Stunden nach dem Fressen Koliksymptome, weicher Durchfallkot oder Unruhe auf, kontaktieren Sie umgehend Ihren Tierarzt.
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3
Bei Verdacht auf chronische Überdosierung: Blutbild anfordern Ihr Tierarzt kann Serumkalzium, Phosphor und Parathormon (PTH) messen sowie ein Röntgenbild der Knochen anfertigen, um eine beginnende Demineralisierung auszuschließen.
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4
Mineralstoffversorgung überprüfen Stellen Sie sicher, dass Ihr Pferd stets ausreichend Heu und ein kalziumreiches Mineralfutter erhält; gutes Heu (< 0,5 % Oxalat) puffert moderate Oxalatmengen wirkungsvoll ab.
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5
Notfall: Methämoglobinämie Zeigen sich bläuliche Schleimhäute, Atemnot oder plötzliche Schwäche nach Massenfütterung, handelt es sich um einen tierärztlichen Notfall – sofort anrufen.
Sichere Alternativen
Wer seinem Pferd ab und zu frisches Gemüse oder Grünzeug gönnen möchte, greift besser zu oxalatarmen Alternativen:
Klassisches Pferdeleckerli mit natürlichem Zucker, beta-Karotin und vernachlässigbarem Oxalatgehalt – in Maßen völlig unbedenklich
Deutlich oxalatärmer als Spinat, enthält nützliche Mikronährstoffe und wird von den meisten Pferden gerne gefressen
Sehr hoher Wasseranteil, kaum Oxalat, kalorienarm – ideal als erfrischendes Sommer-Leckerli in kleinen Stücken
Hohe Akzeptanz, moderate natürliche Zucker; Kerne entfernen wegen Blausäureglykoside, ansonsten ein bewährter Snack
Niedriger Oxalatgehalt, gut verträglich, liefert etwas Kalium und Vitamin C ohne Kalziumstoffwechsel zu belasten
Häufig gestellte Fragen
Mein Pferd hat einmalig eine große Menge Spinat gefressen – muss ich jetzt zum Tierarzt?
Warum ist Spinat für Pferde grundsätzlich problematischer als für Menschen?
Kann ich Spinat als Teil eines selbst gemischten Ergänzungsfutters verwenden?
Quellen & Referenzen
- Merck Veterinary Manual: Oxalate Poisoning in Horses, Nutritional Secondary Hyperparathyroidism (Enzootic Calcinosis), Merck & Co., current online edition
- ASPCA Animal Poison Control Center: Toxic and Non-Toxic Plant/Food Database — Oxalate-Containing Plants (aspca.org/pet-care/animal-poison-control)
- McKenzie, R.A. (1981). 'Bovine enzootic haematuria and oxalate nephropathy in cattle and horses.' Australian Veterinary Journal, 57(10), 473–478
- National Research Council (NRC). Nutrient Requirements of Horses, 6th revised edition. National Academies Press, Washington DC, 2007
Über die Autorin: Dra. Carmen Ortega
Diplomierte Veterinärernährungsexpertin mit Fokus auf artgerechte Diäten und präventive Fütterung, Hauptautorin unserer Ernährungsempfehlungen.
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