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Dürfen Pferde Kartoffeln fressen?

Aktualisiert Jul 2026
Mit Vorsicht füttern

Mit Vorsicht und nur in Ausnahmen

Pferde reagieren empfindlich auf Solanin und verwandte Glykoalkaloide, die in rohen, grünen oder gekeimten Kartoffeln konzentriert vorkommen. Schon wenige Kilogramm grüner oder roher Knollen können beim Pferd ernsthafte Vergiftungserscheinungen auslösen. Gekochte, vollreife Kartoffeln ohne grüne Anteile sind zwar weniger gefährlich, bieten aber keinen ernährungsphysiologischen Vorteil und sollten allenfalls als seltene Ausnahme in sehr kleinen Mengen gereicht werden. Für die tägliche Fütterung sind Kartoffeln generell ungeeignet.

Schweregrad
Moderat
Toxische Dosis
Grün/roh: ab ca. 1–2 kg
Einsetzzeit
30 Min. – 6 Stunden
Behandlung
Tierarzt, Aktivkohle, Infusion
Verantwortungsvoll füttern

Maß halten ist entscheidend

Kartoffeln sollte pferde nur in kleinen, seltenen Mengen angeboten werden. Befolgen Sie die Hinweise zur sicheren Fütterung und beobachten Sie genau auf etwaige Reaktionen.

Warum sind Kartoffeln für Pferde problematisch?

Kartoffeln

Kartoffeln — pferde.

Kartoffeln (Solanum tuberosum) gehören wie Tomaten und Paprika zu den Nachtschattengewächsen (Solanaceae). Die gesamte Pflanze, insbesondere Schalen, Keime, Blätter und grüne Knollenanteile, enthält die Glykoalkaloide Solanin und Chaconin. Diese Substanzen hemmen die Acetylcholinesterase und schädigen Zellmembranen, was zu einer Störung der Nervenübertragung und einer Reizung der Magen-Darm-Schleimhaut führt. Im Pferdedarm, der besonders empfindlich auf pH-Schwankungen und toxische Substanzen reagiert, kann Solanin rasch resorbiert werden und systemische Wirkungen entfalten.

Der Solaningehalt variiert erheblich je nach Reifegrad und Lagerung. Vollreife, ungekeimte und frisch geerntete Kartoffeln enthalten in der Regel deutlich weniger Solanin als grüne oder bereits ausgetriebene Knollen. Durch Kochen wird ein Teil des Solanins in das Kochwasser abgegeben, das dann unbedingt weggeschüttet werden sollte. Das Pferd ist als Hindgut-Fermentierer außerdem anfällig für stärkereiche Futtermittel: Große Mengen ungekochter Kartoffelstärke können im Blinddarm und Dickdarm zu einer Dysbiose führen, was Koliken und Hufrehe nach sich ziehen kann — unabhängig vom Solaningehalt.

Grüne Kartoffeln: Absolutes Tabu

Grüne, gekeimte oder rohe Kartoffeln sowie Kartoffelkraut und -schalen dürfen Pferden unter keinen Umständen gefüttert werden. Selbst scheinbar geringe Mengen können bei empfindlichen Tieren eine akute Vergiftung auslösen.

Symptome & Verlauf

Magen-Darm-Symptome
  • Kolikartige Bauchschmerzen
  • Durchfall (teils blutig)
  • Vermehrter Speichelfluss
  • Inappetenz und Völlegefühl
  • Aufgeblähtheit
Alle Lebensmittel ansehen, die diese Symptome verursachen
Neurologische Zeichen
  • Muskelschwäche und Zittern
  • Ataxie (Koordinationsstörungen)
  • Verlangsamte Herzfrequenz (Bradykardie)
  • Apathie und Depression
  • In schweren Fällen: Bewusstseinseintrübung
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Schleimhaut- und Hautveränderungen
  • Gerötete oder blasse Schleimhäute
  • Speichelfluss und Schluckbeschwerden
  • Reizung der Mundschleimhaut
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Sekundäre Folgeerscheinungen
  • Hufrehe durch Stärkeüberladung
  • Dysbiose im Hindgut
  • Dehydratation bei anhaltendem Durchfall
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Dosis & Schweregrad

Die folgende Tabelle zeigt das Risikoprofil je nach Art und Menge der verabreichten Kartoffeln für ein durchschnittliches Warmblutpferd (ca. 500 kg KGW).

Grüne/gekeimte Kartoffeln
jede Menge
toxisch
Keinerlei Menge vertretbar — sofortiger Tierarztkontakt
Rohe Kartoffeln (reif, ohne grüne Stellen)
ab ca. 1–2 kg
hohes Risiko
Solaninbelastung und Stärkedysbiose möglich
Rohe Kartoffeln (reif, kleine Menge)
unter 200 g
riskant
Geringe aber nicht ausgeschlossene Solaninaufnahme; besser vermeiden
Gekochte Kartoffeln (ohne Schale, kein Kochwasser)
max. 200–300 g, gelegentlich
geringe Gefahr
Als seltener Snack tolerierbar, bietet keinen Nährwert für Pferde
Kartoffelkraut / Schalen / Kochwasser
jede Menge
toxisch
Höchste Solaninkonzentration; strikt verboten

Was tun bei Kartoffelverzehr durch Pferde?

  1. 1

    Sofort Menge und Art der Kartoffeln feststellen Klären Sie umgehend, ob das Pferd rohe, grüne oder gekeimte Kartoffeln gefressen hat und in welcher Menge. Grüne Anteile oder Keime erhöhen das Risiko erheblich.

  2. 2

    Tierarzt oder Giftnotruf umgehend kontaktieren Bei Verdacht auf Aufnahme von mehr als 500 g roher oder jeder Menge grüner Kartoffeln sofort den Tierarzt anrufen. In Deutschland ist die Tierärztliche Giftnotrufnummer (z. B. über die Tierärztekammer) zu kontaktieren.

  3. 3

    Keine Hausmittel oder eigenständige Behandlung Versuchen Sie nicht, das Pferd selbst zum Erbrechen zu bringen — Pferde können nicht erbrechen. Geben Sie keine Öle oder sonstigen Hausmittel ohne tierärztliche Anweisung.

  4. 4

    Klinische Überwachung bis zum Eintreffen des Tierarztes Beobachten Sie das Pferd engmaschig auf Anzeichen von Koliken, Zittern, Schläfrigkeit oder veränderten Schleimhautfarben. Halten Sie das Tier ruhig und von der Futterquelle getrennt.

  5. 5

    Veterinärtherapie: Aktivkohle und Infusionstherapie Der Tierarzt kann Aktivkohle zur Bindung des Solanins im Magen-Darm-Trakt einsetzen sowie eine intravenöse Infusion zur Unterstützung der Ausscheidung und Kreislaufstabilisierung einleiten. Symptomatische Behandlung von Koliken oder Herzrhythmusstörungen nach Bedarf.

  6. 6

    Präventiv: Zugang zu Kartoffeln dauerhaft verhindern Kartoffeläcker und Gemüsegärten sollten für Pferde nicht zugänglich sein. Auch Kartoffelabfälle aus der Küche, insbesondere Schalen und Grünstellen, dürfen nicht in der Nähe von Pferden entsorgt werden.

Sichere Alternativen

Wer seinem Pferd einen sicheren und gesunden Gemüse-Snack gönnen möchte, findet hier geeignete Alternativen:

Karotten

Klassischer und beliebter Pferdeknabberer — reich an Beta-Carotin, gut verträglich in Maßen (ca. 1–2 mittelgroße Karotten pro Tag)

Pastinaken

Süßlich und energiereich, von den meisten Pferden gerne gefressen; in kleinen Mengen als Gelegenheitssnack geeignet

Zucchini (ungekocht, reif)

Wasserreich und kalorienarm, gut verträglich; in Scheiben als Beschäftigung und Snack verwendbar

Rüben (Futterrüben/Kohlrüben)

Traditionelles Pferdefutter mit hohem Wassergehalt; in kleinen Mengen auch roh fütterbar, größere Mengen besser angewelkt

Äpfel (kernlos)

Sehr beliebt bei Pferden; Kerne enthalten geringe Blausäuremengen, daher entfernen. Ein halber bis ganzer Apfel als Gelegenheitssnack ist unbedenklich.

Häufig gestellte Fragen

Mein Pferd hat versehentlich eine rohe Kartoffel gefressen — was soll ich jetzt tun?
Eine einzelne, kleine und vollreife rohe Kartoffel ohne grüne Stellen ist bei einem gesunden 500-kg-Pferd in der Regel nicht akut lebensbedrohlich, sollte aber dennoch ernst genommen werden. Beobachten Sie das Tier in den nächsten sechs Stunden engmaschig auf Symptome wie Koliken, Zittern, Durchfall oder Apathie. Hat das Pferd mehrere Kartoffeln, grüne oder gekeimte Knollen gefressen oder zeigt es bereits Symptome, ist sofort der Tierarzt zu verständigen.
Sind gekochte Kartoffeln für Pferde wirklich sicherer als rohe?
Ja, der Kochvorgang reduziert den Solaningehalt, da ein Teil des Alkaloids ins Kochwasser übergeht. Dieses Kochwasser darf keinesfalls an Pferde verfüttert werden. Vollständig gekochte, geschälte Kartoffeln ohne grüne Stellen sind in sehr kleinen Mengen (unter 200–300 g) weniger gefährlich, bieten Pferden ernährungsphysiologisch jedoch kaum Vorteile. Sie ersetzen keine artgerechten Snacks wie Karotten und sollten nur ganz gelegentlich gereicht werden.
Welche Teile der Kartoffelpflanze sind für Pferde besonders gefährlich?
Am gefährlichsten sind Kartoffelkraut (Blätter und Stängel), grüne Knollenanteile, Keime sowie die Schalen reifer Kartoffeln, weil dort der Solaningehalt am höchsten ist. Das Kochwasser nach dem Garen enthält ebenfalls relevante Solaninmengen und ist zu entsorgen. Pferde, die auf Weiden oder in Nähe von Kartoffeläckern gehalten werden, sollten keinen Zugang zu diesen Pflanzenteilen haben. Solanin ist hitzestabil — Trocknen oder Einfrieren beseitigt die Toxizität nicht.

Quellen & Referenzen

  1. Merck Veterinary Manual — Solanaceae Plant Poisoning in Large Animals (Reactive glycoalkaloids: solanine, chaconine)
  2. ASPCA Animal Poison Control Center — Toxic and Non-Toxic Plants / Foods for Horses
  3. Longland AC & Byrd BM (2006) — Pasture nonstructural carbohydrates and equine laminitis, Journal of Nutrition 136(7 Suppl):2099S–2102S
  4. Pugh DG & Hilton WM (Eds.) — Equine Internal Medicine, Chapter on Gastrointestinal Emergencies and Colic Management
Dra. Carmen Ortega

Über die Autorin: Dra. Carmen Ortega

Veterinär-Ernährungsspezialistin

Diplomierte Veterinärernährungsexpertin mit Fokus auf artgerechte Diäten und präventive Fütterung, Hauptautorin unserer Ernährungsempfehlungen.

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