Dürfen Pferde Kartoffeln fressen?
Mit Vorsicht und nur in Ausnahmen
Pferde reagieren empfindlich auf Solanin und verwandte Glykoalkaloide, die in rohen, grünen oder gekeimten Kartoffeln konzentriert vorkommen. Schon wenige Kilogramm grüner oder roher Knollen können beim Pferd ernsthafte Vergiftungserscheinungen auslösen. Gekochte, vollreife Kartoffeln ohne grüne Anteile sind zwar weniger gefährlich, bieten aber keinen ernährungsphysiologischen Vorteil und sollten allenfalls als seltene Ausnahme in sehr kleinen Mengen gereicht werden. Für die tägliche Fütterung sind Kartoffeln generell ungeeignet.
Maß halten ist entscheidend
Kartoffeln sollte pferde nur in kleinen, seltenen Mengen angeboten werden. Befolgen Sie die Hinweise zur sicheren Fütterung und beobachten Sie genau auf etwaige Reaktionen.
Warum sind Kartoffeln für Pferde problematisch?
Kartoffeln — pferde.
Kartoffeln (Solanum tuberosum) gehören wie Tomaten und Paprika zu den Nachtschattengewächsen (Solanaceae). Die gesamte Pflanze, insbesondere Schalen, Keime, Blätter und grüne Knollenanteile, enthält die Glykoalkaloide Solanin und Chaconin. Diese Substanzen hemmen die Acetylcholinesterase und schädigen Zellmembranen, was zu einer Störung der Nervenübertragung und einer Reizung der Magen-Darm-Schleimhaut führt. Im Pferdedarm, der besonders empfindlich auf pH-Schwankungen und toxische Substanzen reagiert, kann Solanin rasch resorbiert werden und systemische Wirkungen entfalten.
Der Solaningehalt variiert erheblich je nach Reifegrad und Lagerung. Vollreife, ungekeimte und frisch geerntete Kartoffeln enthalten in der Regel deutlich weniger Solanin als grüne oder bereits ausgetriebene Knollen. Durch Kochen wird ein Teil des Solanins in das Kochwasser abgegeben, das dann unbedingt weggeschüttet werden sollte. Das Pferd ist als Hindgut-Fermentierer außerdem anfällig für stärkereiche Futtermittel: Große Mengen ungekochter Kartoffelstärke können im Blinddarm und Dickdarm zu einer Dysbiose führen, was Koliken und Hufrehe nach sich ziehen kann — unabhängig vom Solaningehalt.
Grüne, gekeimte oder rohe Kartoffeln sowie Kartoffelkraut und -schalen dürfen Pferden unter keinen Umständen gefüttert werden. Selbst scheinbar geringe Mengen können bei empfindlichen Tieren eine akute Vergiftung auslösen.
Symptome & Verlauf
- Kolikartige Bauchschmerzen
- Durchfall (teils blutig)
- Vermehrter Speichelfluss
- Inappetenz und Völlegefühl
- Aufgeblähtheit
- Muskelschwäche und Zittern
- Ataxie (Koordinationsstörungen)
- Verlangsamte Herzfrequenz (Bradykardie)
- Apathie und Depression
- In schweren Fällen: Bewusstseinseintrübung
- Gerötete oder blasse Schleimhäute
- Speichelfluss und Schluckbeschwerden
- Reizung der Mundschleimhaut
- Hufrehe durch Stärkeüberladung
- Dysbiose im Hindgut
- Dehydratation bei anhaltendem Durchfall
Dosis & Schweregrad
Die folgende Tabelle zeigt das Risikoprofil je nach Art und Menge der verabreichten Kartoffeln für ein durchschnittliches Warmblutpferd (ca. 500 kg KGW).
Was tun bei Kartoffelverzehr durch Pferde?
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1
Sofort Menge und Art der Kartoffeln feststellen Klären Sie umgehend, ob das Pferd rohe, grüne oder gekeimte Kartoffeln gefressen hat und in welcher Menge. Grüne Anteile oder Keime erhöhen das Risiko erheblich.
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2
Tierarzt oder Giftnotruf umgehend kontaktieren Bei Verdacht auf Aufnahme von mehr als 500 g roher oder jeder Menge grüner Kartoffeln sofort den Tierarzt anrufen. In Deutschland ist die Tierärztliche Giftnotrufnummer (z. B. über die Tierärztekammer) zu kontaktieren.
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3
Keine Hausmittel oder eigenständige Behandlung Versuchen Sie nicht, das Pferd selbst zum Erbrechen zu bringen — Pferde können nicht erbrechen. Geben Sie keine Öle oder sonstigen Hausmittel ohne tierärztliche Anweisung.
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4
Klinische Überwachung bis zum Eintreffen des Tierarztes Beobachten Sie das Pferd engmaschig auf Anzeichen von Koliken, Zittern, Schläfrigkeit oder veränderten Schleimhautfarben. Halten Sie das Tier ruhig und von der Futterquelle getrennt.
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5
Veterinärtherapie: Aktivkohle und Infusionstherapie Der Tierarzt kann Aktivkohle zur Bindung des Solanins im Magen-Darm-Trakt einsetzen sowie eine intravenöse Infusion zur Unterstützung der Ausscheidung und Kreislaufstabilisierung einleiten. Symptomatische Behandlung von Koliken oder Herzrhythmusstörungen nach Bedarf.
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6
Präventiv: Zugang zu Kartoffeln dauerhaft verhindern Kartoffeläcker und Gemüsegärten sollten für Pferde nicht zugänglich sein. Auch Kartoffelabfälle aus der Küche, insbesondere Schalen und Grünstellen, dürfen nicht in der Nähe von Pferden entsorgt werden.
Sichere Alternativen
Wer seinem Pferd einen sicheren und gesunden Gemüse-Snack gönnen möchte, findet hier geeignete Alternativen:
Klassischer und beliebter Pferdeknabberer — reich an Beta-Carotin, gut verträglich in Maßen (ca. 1–2 mittelgroße Karotten pro Tag)
Süßlich und energiereich, von den meisten Pferden gerne gefressen; in kleinen Mengen als Gelegenheitssnack geeignet
Wasserreich und kalorienarm, gut verträglich; in Scheiben als Beschäftigung und Snack verwendbar
Traditionelles Pferdefutter mit hohem Wassergehalt; in kleinen Mengen auch roh fütterbar, größere Mengen besser angewelkt
Sehr beliebt bei Pferden; Kerne enthalten geringe Blausäuremengen, daher entfernen. Ein halber bis ganzer Apfel als Gelegenheitssnack ist unbedenklich.
Häufig gestellte Fragen
Mein Pferd hat versehentlich eine rohe Kartoffel gefressen — was soll ich jetzt tun?
Sind gekochte Kartoffeln für Pferde wirklich sicherer als rohe?
Welche Teile der Kartoffelpflanze sind für Pferde besonders gefährlich?
Quellen & Referenzen
- Merck Veterinary Manual — Solanaceae Plant Poisoning in Large Animals (Reactive glycoalkaloids: solanine, chaconine)
- ASPCA Animal Poison Control Center — Toxic and Non-Toxic Plants / Foods for Horses
- Longland AC & Byrd BM (2006) — Pasture nonstructural carbohydrates and equine laminitis, Journal of Nutrition 136(7 Suppl):2099S–2102S
- Pugh DG & Hilton WM (Eds.) — Equine Internal Medicine, Chapter on Gastrointestinal Emergencies and Colic Management
Über die Autorin: Dra. Carmen Ortega
Diplomierte Veterinärernährungsexpertin mit Fokus auf artgerechte Diäten und präventive Fütterung, Hauptautorin unserer Ernährungsempfehlungen.
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